Gradscheibe Husaberg Motor

  • Gradscheibe Husaberg Motor

    Hallo zusammen,
    weil ich kürzlich dazu gefragt wurde: Ich habe mir für meinen Motor (FE 501 2002) eine Gradscheibe gebaut, bei der man innen einen Kreis ausschneiden kann um die Markierung an der aufgesteckten Schwungscheibe/Polrad als Zeiger zu benutzen.
    Die Achse vom Mittelpunkt bis 0° zeigt in 10mm-Schritten den Abstand vom Mittelpunkt mit konzentrischen Kreisen an - falls man einen bestimmten anderen Durchmesser ausschneiden möchte.

    Ich habe die Gradscheibe als Vektorgrafik mit einem Script erstellt (Für die Interessierten: Textsatzprogramm Lualatex mit Zeichenpaket TikZ) - das heißt die Winkelschritte sind absolut präzise und eigentlich nur noch von der Präzision des Druckers abhängig. Die Gradscheibe habe ich in einem Copy-Shop drucken und laminieren lassen. Wichtig: Beim Drucken die Abbildung nicht skalieren sondern 1:1 drucken. Anschließend mit Cutter-Messer ausschneiden und Löcher für die Seitendeckelschrauben im Winkel von 120° setzen bzw. den Deckel als Vorlage nutzen. Fertig.

    Viel Spaß damit,
    EDE
    Bilder
    • Gradscheibe-im-Einsatz.jpg

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    Dateien
    • GradScheibe.pdf

      (21,02 kB, 73 mal heruntergeladen, zuletzt: )
  • Hallo ede,
    Muss hier mal kurz einhaken da mich technisch sowieso alles interessiert.

    Ich glaube du hast da sogar mal in einem englischsprachigen Board ein paar Bilder gezeigt mit so einer gradskalierung.

    Jetzt mal ganz dumm von mir gefragt.
    -Für was genau benutzt du da so eine gradscheibe?
    -Was erreichst Du damit?
    -für welche Zündung ist das gedacht? (Sem, elektrex oder gar programmierbare zündung ?)

    Hier gibt's viel Gesprächsstoff bei mir :)
  • Hi Michael,
    hab's gerade nochmal ausprobiert. Die PDF-Datei kann man/ich nur öffnen, wenn man im Forum angemeldet ist - die "jpg"-Datei geht auch ohne Anmeldung. Ansonsten hat's bei mir geklappt. Vielleicht auch mal mit Rechtsklick und dann "Save Link as" probieren. Falls es gar nicht klappt kannst Du mir auch 'ne Mail-Adresse per PM zukommen lassen, dann schick ich Dir das Ding so.

    Gruß,
    Ede
  • Big Beast schrieb:

    Hallo ede,
    Muss hier mal kurz einhaken da mich technisch sowieso alles interessiert.

    Ich glaube du hast da sogar mal in einem englischsprachigen Board ein paar Bilder gezeigt mit so einer gradskalierung.

    Jetzt mal ganz dumm von mir gefragt.
    -Für was genau benutzt du da so eine gradscheibe?
    -Was erreichst Du damit?
    -für welche Zündung ist das gedacht? (Sem, elektrex oder gar programmierbare zündung ?)

    Hier gibt's viel Gesprächsstoff bei mir :)
    Hi Big Beast,
    für den Einsatz von Gradscheiben gibt's verschiedene Gründe:
    • Fast alle Teile am Verbrennungsmotor rotieren - Angaben in Winkeln/Grad sind in diesem Fall die logische Konsequenz weil man einfach genauer Arbeiten kann und Winkel zueinander in Relation setzen kann. Viele Angaben beziehen sich eh in Relation zur Stellung der Kurbelwelle.
    • Ein Beispiel hierfür sind die Angaben zu Steuerzeiten des Motors (gilt für 2-Takt und 4-Takt-Motoren). Angaben wann Ventile schließen oder öffnen werden nicht in "mm vor OT" angegeben sondern eigentlich immer "Grad Kurbelwinkel" relativ zum OT oder UT. Eine Ausnahme sind eigentlich nur Mopeds (z.B. Simson) bei denen wurde der Zündzeitpunk in "mm vor OT" angegeben.
    • Wenn Du eine bestimmte Position (z.B. den oberen Totpunkt) sehr genau einstellen möchtest, dann ist die genaueste Variante den OT zu finden mit einer Gradscheibe. Dafür benutzt man einen Kolbenstopper (engl. piston stop) den man durch das Kerzenloch in den Zylinderkopf schraubt. Durch vorsichtiges Drehen in Motor-Drehrichtung wird der Kolben gegen den Anschlag gesetzt (vorsichtig! - Die Vorspannung der Ventilfedern kann dazu führen, dass der Kolben auf einmal schnell richtung OT rauscht und hart am Stopper anschlägt - das darf nicht passieren!!! OT-Markierung vielleicht lieber ohne Steuerkette setzen). Dann liest man den Winkel von der Gradscheibe ab und merkt ihn sich. Die Prozedur wird noch einmal entgegen der Motor-Drehrichtung wiederholt und auch wieder den Winkel ablesen. Nehmen wir an, Du hast in Drehrichtung 130° abgelesen und entgegen Drehrichtung 145°. Dann ist die Differenz zwischen beiden 15°. Der OT befindet sich in der Mitte der 15° - die Hälfte von 15° sind 7,5°. Addierst Du auf 130° die 7,5°, dann liegt Dein OT genau bei 137,5°. Probier das mal mit der gleichen Wiederholgenauigkeit mit einer Messuhr rauszufinden (Zur Erinnerung: Kerzenloch ist nicht mittig über Kolbenmittelpunkt, 3D-Struktur auf Kolben durch den die Werte verfälscht werden können, lange dünne Messuhrverlängerung die bei leichter Schrägbelastung/Biegung schon andere Werte auf dem Ziffernblatt erzeugt, und der wichtigste Grund: Eine sehr genaue Messuhr kostet wesentlich mehr als ein Kolbenstopper und eine Gradscheibe :p )
    • In dem besagten Beispiel habe ich die Gradscheibe für etwas Anderes benutzt:
      • Markierungen verschiedener Polräder vergleichen
      • Winkelversatz zwischen OT-Markierung auf Polrad und der Pickup-Spule herausfinden um zu verstehen wie die CDI auf ihre Werte für die Zündwinkelverstellung kommt


    Den Live-Einsatz einer Gradscheibe für "Husaberg-Motoren" kannst Du Dir auch im Video von Mats Clementz (aka DR_C) auf Youtube anschauen: youtube.com/watch?v=q-gn8S3ydFs
    Mats benutzt eigentlich nur den Husaberg-Grundmotor für sein Super-Mono-Bike und hat alles Mögliche modifiziert, bis hin zu seinem eigenen Zylinderkopf mit zwei einstellbarem Nockenwellen. Im Video zeigt er zum Beispiel die oben beschriebene Methode den OT zu finden. Viel Spaß beim Gucken,

    Gruß,
    EDE
  • Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen :thumbup:

    Dein erklärtes leuchtet alles soweit ein.

    Die gradscheibe hilft mir also bzgl. exakter Ermittlung verschiedener rotierender Komponenten im Motor. Soweit ist das angekommen bei mir.

    Kann ich aber diese gradscheibe irgendwie einsetzten um eine Zündung sauber einzustellen.

    Im Prinzip ist es ja so, das man zb. Bei der elektrex 3 langlöcher hat. Hier kann mann den Zündzeitpunkt einmal Richtung früh, und einmal Richtung spät verschieben.
    Die CDI hat ja letzten Endes ein vorprogrammiertes kennfeld gespeichert, das sich je nach Motordrehzahl entsprechend auf den tatsächlichen Zündzeitpunkt auswirkt.

    Liege ich da mit meiner Behauptung soweit richtig?

    Denn ansonsten wäre ja eine feste zündzeitpunkteinstellung eine totale leistungseinbuse im oberen Drehzahlbereich, da die Zündung viel zu spät zünden würde, sofern mann diese auf startverhalten und den unteren Drehzahlbereich einstellen würde um den Motor überhaupt erst mal zum Laufen zu bringen.

    Komme ich um probeläufe auf dem Prüfstand herum, (für saubere zündeinstellung) indem ich da irgendwie deine gradscheibe benutze???
  • Hmm, mit der Gradscheibe stellst Du zunächst mal die "Nulllage" der Zündung ein - die Zündung weiß ja nicht in welcher Position die Nockenwelle grade steht. Wenn Du eine programmierbare Zündung hast, kannst Du drehzahlabhängig den Zeitpunkt noch beeinflussen.
    Grundsätzlich hat die Lichtmaschine (neben den Licht und Zündspulen) eine einzelne Spule - die Pickupspule - welche das Signal für den Zündzeitpunkt gibt. Diese pickup-Spule sitzt aber nicht auf dem OT, sondern ca. 36° (glaube ich) dahinter. Kann man einfach per Winkelmesser ausmessen. Das ist dann der Zündzeitpunkt. Wenn Du du diesen auf OT setzt, würde der Motor genau auf OT zünden, das will man i.d.R. nicht, weil eine leichte frühzündung eine bessere Verbrennung gibt. Somit verdreht man den Zündzeitpunkt etwas in Richtung Frühzündung - bei Husaberg eben 6 Grad, und um das zu messen, braucht man eine Gradscheibe. Somit kannst Du die Gradscheibe einsetzen um die Zündung sauber einzustellen, im Grunde versuchst Du aber nur die 6° möglichst genau zu treffen - zumindest bei den SEMs. Das kann man dann im Optimalfall auch noch mit einer Blitzlampe überprüfen.
  • O.k. ... hab's mir überlegt und füge doch noch was hinzu :P
    @Michael: Konntest Du Die Datei jetzt öffnen?

    @Big Beast: Beim Einstellen der Zündung mit Hersteller-Teilen (Sem-Stator und Rotor) ist laut Handbuch davon auszugehen, das im OT die Markierung auf dem Rotor/Polrad mit denen auf dem Stator übereinstimmen. Einige sagen das passt, andere sagen, das sogar diese Variante nicht zum gewünschten Ergebnis führt (Ursache jetzt erstmal egal).
    Dein Electrex-Stator hat aber keine Markierung die mit dem Polrad übereinstimmen muss. Davon abgesehen ist die Anlage auch nicht baugleich. Wenn Du beide übereinander legst, kannst Du erahnen wo die Markierung sein müsste. Hat bei mir nur grob hingehauen und ich hab mich dann von maximaler Spätzündung aus rangetastet. Herausgekommen folgendes: Electrex ca. 1mm vor max. Spätzündung einstellen. Ich hab's auch nicht nachgemessen - es hat beim 3. Versuch geklappt und funktioniert so sehr gut.
    Die Gradscheibe würde Dir hierbei auch nur bedingt weiterhelfen (kannst ja die Gradscheibe auf den Limadeckel montieren falls es was hilft...).
    Ich habe nach der Einstellerei es für wichtiger erachtet mit einem Stroboskop die Zündung abzublitzen. Also bei laufendem Motor überprüfen ob die Werte für die Zündung einigermaßen hinhauen. Genau wie Topper Harley sagt - Im Standgas 6° Vorzündung, ab 3/4-Gas ca. 36° Vorzündung (originale CDI auf "high" bzw. ohne Zusatzkabel an der CDI für genau diesen Schalter). Dafür hab ich mir extra eine Strobolampe mit Winkelverstellung gekauft. Ist recht teuer, in meinem Fall kann ich das Teil aber auch für andere Motoren einsetzen. Alternativ kannst Du die Gradscheibe auch dran lassen, den Motor starten und mit einem "dummen" Stroboskop blitzen - musst dann aber die Markierung auf dem Polrad mit der "Methode des schiefen Hinsehens" bis auf die Gradscheibe verlängern und ablesen :D Sollte auch gehen...
    Damit sollte Deine Berg auf jeden Fall top einzustellen sein. Willst Du das Maximum aus Deinem Motor herauskitzeln (denke an Verschleiß), dann kommst Du um Prüfstandsläufe nicht herum - Du willst ja letztendlich wissen, was die ganze Einstellerei gebracht hat - und das geht objektiv nur mit einer Messung auf einem Prüfstand (Leistung, Drehmoment, Gemischzusammensetzung über die verschiedenen Lastbereiche, Vorzündung, etc...)

    Genug Text für heute :p
    Grüße,
    EDE
  • Moin Zusammen,
    @ede: das klappt leider immer noch nicht - hab Dir per PN meine mailadresse geschickt... eigenartig.

    Ja, das nachmessen per Blitzlampe ist die wirklich beste Variante. Ich war erst Mal verwundert dass meine Maschine mit der alten Einstellung überhaupt lief, die hatte fast 8-10 Grad eingestellt. Im Kaltlauf hats da aber gerne mal Plopp gemacht und die Maschine war aus. Naja der Bock steht jetzt seit Ende Mai, ich hoffe ich kann dieses Jahr überhaupt noch mal los...

    Grüße
    Michael
  • Jau, sieht gut aus. Danke!
    Ich beneide Dich schon wieder um die Messuhrverlängerung. Hab mir extra eine neue bestellt und natürlich war die Verlängerung auch zu kurz. Ging nur mit Unterlegscheiben unter den Adaptern etc.. Bei der Husaberg passen irgendwie die Standardwerkzeuge nie... hab ich zumindest das Gefühl...
  • Hehe, naja es geht immerhin irgendwie.

    Mal was anderes: ich habe ja nun bei meiner 501 einen neuen/gebrauchten Stator eingebaut, alles eingestellt und hatte nach langer Zeit entllich wieder nen Zündfunken und die Maschine lief super - in der Garage. Bestimmt drei mal ausgemacht und wieder angelassen - alles super. Gestern will ich sie starten... nix - wieder kein Funke. Ich werd wahnsinnig. Ich musste die Garage verlassen sonst hätte ich sie zerstört. Hat die Maschine jetzt den nächsten Stator "gefressen". Ich hab echt keinen Bock mehr, der Bock steht seit Mai und kostet einfach nur Geld, da hätte ich meine BMW schon zwei Mal in die Durchsicht bringen können. Hatte jemand das schon Mal? Hab keinen Bock jetzt nen Electrex zu kaufen der dann auch durchraucht.
    Überlege echt das Mistding auseinanderzunehmen und in Teilen zu verkloppen...
  • Bevor Du Sie zerstörst miss doch nochmal den Stator durch...
    ...die originalen SEM-Statoren sind empfindlich gegen Feuchtigkeit. Der Seitendeckel ist nicht gut abgedichtet und zwischen den Metalllagen und dem Kunststoff kriecht gerne die Feuchtigkeit in den Stator... dann korrodieren die langsam vor sich hin und gegen einfach den Geist auf. Ich hab auch noch einen der fürchterlich aussieht... Da fragt man sich wie das bei Mopeds über Jahrzehnte so zuverlässig funktionieren kann und die SEMs reihenweise ausfallen...
  • Ich werde mal schauen dass ich den noch mal durchmesse, eigenartigerweise war er vorher schon bei ca. 8,6kOhm (Soll sind 3kOhm +-10%). Trotzdem hat er funktioniert. Der Alte hatte ca. 3,8kOhm und ging nicht. Die Werte für die Pickup-Spule passten bei beiden. Mich wundert ja nur dass das auf einmal ging, und zwei tage später wieder nicht - die Maschine steht in ner trockenen Garage...
    Naja mal schauen was ich mit ihr mache, sowas macht mich echt schwach.