Der erste Kick....

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  • Nun, es ist ja bekanntlich nicht leicht am Rande des großen Waldes aufzuwachsen. Gehänselt und Gegretelt wird man - da - als Kind. Den Wolf nicht zu vergessen der Knirpse, wie ich damals einer war, leicht verschlingen hätte können.
    Der Wolf steht ja heute wieder unter Artenschutz, damals tat er das nicht, weil er ja nicht da war. Heute ist er da und darf Kinder fressen, vermute ich. Und wenn man ihn beim Fressen stört, genau wie die Rehe, die grüngelbe Waldschnecke und das Ohrenmoos, so ist das Umweltfrevel. Schrecklicher, noch dazu. Aber ich schweife ab.
    So wuchs ich also am Rand des Waldes, direkt an der Wiese auf. Glücklicherweise wuchsen dort keine geschützen Beerensträucher und Blumen wie Enzian, die blutrote Sichelnelke oder das allseits bekannte und geschätzte Goldgelbsauerstoffmoos.
    Meinen Eltern ging ich sichtlich auf die Nerven und zur deren Beruhigung durfte ich mit satten fünf oder sechs Jahren endlich die Kreidler Florett fahren. Es war jene Florett von Kreidler die jeder, absolut jeder kennt. Die mit dem mausgraumetallicfarbenen Glanz, der Tank elfenbeinfarben (Entschuldigung ich möchte mich nicht strafbar machen, es muss natürlich Hellgebissgelb heißen, Elfenbeinbesitz ist ja strafbar). Dreigangschaltung, auf dem Tank der Hinweis von Kreidler - Weltmeister Geschwindigkeitsrekord - anno Neandertalerzeit.
    So lernt man fahren, drunter mache ich es nicht. Weltmeister vom ersten Meter. Satte sechzig Stundenkilometer im Wald. Und der Wald ist in Bayern tief, dunkel und groß. Manch einer ist hier bereits verloren gegangen. Nur die (ebenfalls geschützten) Waldameisen kennen derer letzten Wege. Mutig war ich, jung und stark. Der Schlüssel steckte immer, der Schuppen stand offen, die Eltern -wie der Sprit im Tank- verdunstet. Aber da waren ja noch die Freunde, die die ebenfalls den Wolf sehen wollten und Sprit zu geben bereit waren. Taschengeld nicht zu vergessen. Nächste Tankstelle (durch den Wald 8km)....Die Mitstreiter wurden weniger mit jeder angeschweißten Fussraste (dem Nachbarn sei heute noch Dank), das Windschild trug die Einschläge tapfer, wie der edle Ritter seine Rüstung.
    Es gab damals noch die Deutsche Wertarbeit. Die Kreidler war genau das. Wertarbeit. Der Kolben nicht wie heute, nach hundert Std. mit Fresspuren übersäht, nein. Aus reinem Panzerstahl geschmiedet, geschmiert nur vom Benzin, Öl gabs nur an Feiertagen....Damals war überhaupt alles besser...egal.
    So erntete ich die Früchte meiner Saat, die nie so recht aufgehen wollte, weil die Kreidler ja nur Semislicks hatte und pflügen somit so gut wie unmöglich war. Die Slides und Sprünge waren legendär, das Material ächzte und bog sich wie unter Thors Hand persönlich zerquetscht. Die Laune meines Vaters wurde beim Anblick des Mokicks zusehends schlechter, befreit vom Zögling aber scheinbar dennoch ein ausreichend guter Tausch....
    Wie jeder Profi heute weiß, ist Schutzkleidung oberste Pflicht. Das war mir auch als Pimpf schon klar. Also brachte der Nikolaus einen Jet Helm und irgendwann Springerstiefel. Die waren gerade mal zwei Nummern zu groß, aber im Krieg ist das besser als zu klein, kleiner gabs eh nicht. Mititärqualität war das, durch und durch. Die Schnürsenkel wie Schiffstaue.
    Doppelnkoten. So kam es dann. Auf der Zielgeraden meines Singeltracks, bei voller Fahrt, blieb die Schleife des Kampfstiefels an der Wurzel hängen. Endgeschwindigkeit, Abgang rückwärts wie von Geisterhand vom Pferd gefegt. So lag ich also auf dem Rücken, während die Kreidler tapfer ohne mich über die Ziellinie fuhr. Die erste Schmach.
    Glücklicherweise hat das damals nur der Wolf sehen können. Der hat sich aber nicht totgelacht, ich schwöre es. Ich bin kein Tierhasser. Wir haben Hund und Katze, Meerschweinchen und Kaninchen, als Beweis.... :love:

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